Gottesdienste

Predigt über 1. Kor 3, 9-17 am 12. Sonntag nach Trinitatis, 30.8.2020 - Pastorin Antje Stümke

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Herrn JC. Amen.

Liebe Gemeinde,

gut sechs Jahre ist es nun her, seit wir unsere Osterkirche eingeweiht haben. Das war trotz aller Konflikte, die dem Bau vorausgegangen waren, für die ganze Gemeinde ein erhabener Moment: Wir haben miteinander eine Kirche gebaut! Nach den Jahren im alten, kleinen und feuchten Gemeindesaal können wir seither in diesem schönen Gebäude Gottesdienst feiern und uns in Kreisen und Gruppen treffen. (Wenn wir nicht gerade Corona haben, wovon ich jetzt aber nicht reden will!) - In seiner Predigt zur Einweihung hat uns der Bischof  gesagt, wir möchten diesen Raum nutzen. Eine Kirche ist kein Museum, sondern ein lebendiger Ort, um darin Gott zu loben und das Evangelium von Jesus Christus zu predigen.

Warum erinnere ich Sie und euch heute an den Bau und die Einweihung der Osterkirche? – Weil unser Predigtwort davon spricht, dass wir als Gemeinde Gottes Bau sind und Christus das Fundament. Hören wir unser Bibelwort aus dem 1. Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth:

Wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. Nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe ich den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird es ans Licht bringen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen. Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durch’s Feuer hindurch. Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn jemand den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören, denn der Tempel Gottes ist heilig – der seid ihr.

Wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. - Auf einer seiner Missionsreisen hat Paulus die Gemeinde in Korinth selbst gegründet und dort anderthalb Jahre verbracht, ehe er weitergezogen ist. Darum bezeichnet er sich als den Baumeister, der den Grund gelegt und den Menschen in Korinth als erstes vom Evangelium Jesu Christi erzählt hat. Auf diesem Grund nun bauen andere weiter. Das ist bei uns nicht anders: Der eine Pastor hat Sie getauft, der andere konfirmiert, ein dritter hat Sie getraut und der vierten Pastorin hören Sie gerade zu. Wir alle haben etwas in Ihnen bewirkt – positiv oder negativ. Manche Predigt hat Sie berührt, eine andere völlig kalt gelassen. Manches hat Sie überzeugt und anderes zum Widerspruch gereizt. Auch in der Gemeinde in Korinth hat nicht nur Paulus die Menschen geprägt, sondern ebenso andere, die nach ihm an der Gemeinde weiter gebaut haben. Allerdings ist Paulus nicht mit allem einverstanden, was nach seiner Abreise dort gepredigt worden ist. Er hat große Sorge, dass am Bau sozusagen gepfuscht wird. Darum erinnert er die Gemeinde an das Fundament, auf dem jede Kirche gegründet sein soll: Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

Jesus Christus ist das solide Fundament der Kirche. Das ist zunächst einmal sehr entlastend. Wenn wir heute an unserer Osterkirchengemeinde weiter bauen wollen, fangen wir niemals bei Null an. Der Grund der Kirche ist immer schon gelegt. Das kann uns zuversichtlich und gelassen stimmen. Denn das Fundament ist ja das Wichtigste am Haus, es ist die tragfähige Basis, auf der die Bausteine sicher stehen. Das Wichtigste und Grundlegende hat Gott schon immer getan. Darauf dürfen wir bauen und vertrauen. Darauf dürfen wir selbst in Krisen vertrauen. Einerseits in persönlichen Ängsten und Nöten, aber ebenso in den Krisen, die uns als ganze Kirche treffen. Da beklagen wir ja oft, dass uns die Mitglieder weglaufen und die jungen Menschen aus der Kirche austreten. Eine solche Klage ist natürlich als erster Unmutsausdruck berechtigt, aber es lähmt uns, wenn wir darin stecken bleiben. Und noch mehr würde es mich lähmen und demotivieren, wenn ich allein die Verantwortung dafür tragen müsste. Das mutet Gott uns nicht zu! Sondern er selbst hat den Grund gelegt! Wir sind, wie Paulus schreibt: Gottes Mitarbeiter, Gottes Ackerfeld und Gottes Bau.

Wir sind Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Gott tut sein Werk in der Gemeinde durch Menschen. Er vertraut uns den Weiterbau auf dem Fundament an – so wie es uns auch der Bischof bei der Einweihung der Osterkirche anbefohlen hat. Wenn ich mir nun diese Kirche angucke, sehe ich noch immer, wie schön sie ist und wie viel Freude es mir macht, in diesem lichtdurchfluteten Raum mit Ihnen und euch Gottesdienst zu feiern. Wer allerdings den Bezirksausschuss oder unsere Küsterin fragt, wird auch noch ein paar andere Einblicke in unsere schöne Kirche bekommen. Hinter der Fassade – genauer: draußen an der Fassade – bröckelt es. Und es gibt noch mehr Pfusch am Bau, so viel, dass eine Rechtsanwältin für uns sogar Prozesse führt.

Solchen „Pfusch am Bau“ gibt es auch unter uns Menschen. Da gibt es welche, die besser, und welche, die weniger gut als Baumeisterinnen und Baumeister geeignet sind. Darum warnt Paulus die Gemeinde in Korinth und uns, dass wir beachten sollen, wie wir das Haus der Kirche weiterbauen. Ein jeder sehe zu, wie er darauf baut. Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden. – Ja, irgendwann bröckelt die Fassade, und es wird sich zeigen, welche Steine dem Fundament entsprechen und welche nicht. Welche beständig bleiben und uns auch in Krisen stärken können und welche beim kleinsten Windstoß umkippen oder im Feuer verbrennen.

Wenn ich mir unsere Kirchengemeinde anschaue, sehe ich viele Steine, von denen ich hoffe, dass sie als Gold, Silber, Edelsteine  Bestand behalten. Da denke ich an die Arbeit unserer ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Jungschar und der Jugendgruppe, bei den Kirchenmäusen und im Handarbeitskreis, im Seniorenclub und im Bezirksausschuss. Das hat zwar alles corona-bedingt pausiert, aber die Menschen sind motiviert, weiterzumachen und die Gruppen mit Hygienekonzepten wieder starten zu lassen. Die Krise hat also nicht zu Lustlosigkeit und Entmutigung geführt, sondern als Gottes Mitarbeiter wollen wir weiter an unserer Kirche bauen und für die Menschen da sein. Das ist Gold, Silber, Edelstein. 

Aber sicher gibt es in unserer Gemeinde auch Steine aus Holz, Heu und Stroh, die nicht die Kraft haben, eine Krise zu überdauern oder sogar in ihr zu wachsen. Steine, die vielmehr den Bau zum Einstürzen bringen können. Ich will mal ein paar dieser Steine aufzählen.

Ein stroherner Stein ist unsere häufige Klage darüber, dass unsere Kirchen sonntags so leer sind. Statt dass wir uns aneinander freuen, verbreiten wir unter uns miese Stimmung. Das wirkt weder anziehend noch erbaulich. Und wenn wirklich mal ein neues Gesicht im Gottesdienst oder Gemeindekreis auftaucht, heißen wir diese Menschen selten willkommen. Wir nehmen sie kaum zur Kenntnis, sondern unterhalten uns lieber mit denen, die wir seit Jahren kennen. Da sind Menschen nach ein oder zwei Versuchen wieder weggeblieben.

Wir bauen unsere Kirche also mit Steinen aus Gold und mit Steinen aus Stroh. Paulus mahnt uns nun, dass geprüft werden wird, mit welchen Steinen wir gebaut haben. Und zwar im Gericht Gottes. Dieses Gericht ist für viele von uns ein dunkles und beängstigendes Thema. Und die Predigt über Gottes Gericht mit drohendem Zeigefinger und donnernder Pfarrersstimme ist selbst ein stroherner Stein geworden, der die Menschen vergangener Jahrzehnte aus den Kirchen vertrieben hat. Das hat wiederum die folgende Generation an Pastoren und Pastorinnen dazu gebracht, das Thema des Gerichts in ihren Predigten ganz zu vermeiden. Unser Bibelwort heute aber redet deutlich davon, und die Predigt darf sich davor nicht drücken. Denn wir Menschen sind verantwortlich für das, was wir tun und lassen. Das gilt für unseren Umgang miteinander in unserem jeweiligen Alltag und das gilt ebenso für unseren Dienst als Gottes Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Bau der Kirche. Wir sind Gott gegenüber verantwortlich. In seinem Gericht wird Gott darum prüfen, ob ich mich zuerst seinem Gebot und dem Wohl des Nächsten verpflichtet wusste. Oder ob der persönliche Vorteil, Engstirnigkeit und Eitelkeit, Gier und Neid  mein Handeln geleitet haben. Für diese Prüfung Gottes verwendet Paulus das Bild des Feuers, in dem Heu und Stroh verbrennen, Gold und Edelsteine aber Bestand haben. In seinem Gericht wird Gott also das an mir verwerfen, womit ich anderen Böses getan habe, damit nur das an mir bleibt, womit ich die Gemeinschaft in Gottes Himmel bereichern kann, nämlich das, was der Liebe und dem Frieden gedient hat. Gott wird, so schreibt Paulus, in seinem Gericht zwischen Person und Werk unterscheiden. Meine sündigen Werke werden für nichtig erklärt um der Menschen willen, die unter mir gelitten haben oder die durch mich ins Unrecht gesetzt worden sind. Als Person aber werde ich gerettet aufgrund der Vergebung Gottes in Jesus Christus.

Es ist überraschend, dass Paulus in wenigen Sätzen den Bogen von Gottesdienst und Gemeindebau zu Gottes Gericht spannt. Für ihn ist das wirklich ein Geschehensbogen, denn Paulus versteht unser ganzes Leben als Gottesdienst. Diene ich mit dem, was ich denke und tue, Gott oder mir selbst? Baue ich noch auf dem soliden Fundament Jesus Christus, oder habe ich diesen Grund verlassen? – Bei einer solchen Bilanz wird vermutlich immer ein Sowohl-als auch herauskommen. Wir haben alle schon mit Steinen aus Gold und mit solchen aus Stroh gebaut. Das soll uns aber nicht entmutigen. Sondern: Wir sind Gottes Mitarbeiter, Gottes Ackerfeld und Gottes Bau! Gott vertraut uns Menschen den Bau seiner Kirche an, obwohl er weiß, dass es den Pfusch am Bau gibt, dass wir Fehler machen, Irrtümer begehen und manchmal sogar schuldig aneinander werden. Unser Gott gibt uns nicht auf, sondern beauftragt uns immer wieder als seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wisst ihr nicht, dass ihr der Tempel Gottes seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Gott würdigt und adelt uns also. Er vergibt uns unsere Schuld und ermöglicht uns einen neuen Anfang. Unser Gott vertraut uns! Also vertrauen auch wir den Wegen, auf die unser Herr uns weist! Amen.

EG 395

 

Wir vermissen euch auch und hoffen bald wieder mit euch Kindergottesdienst feiern zu dürfen!


Geschichten hören und sehen, singen, basteln und spielen.Gott und die Bibel kennenlernen. 


An jedem 1. Sonntag im Monat von 17 bis 18 Uhr und jedem 3. Sonntag im Monat von 10 bis 11 Uhr in den 

Jugendräumen im Obergeschoss des Gemeindehauses, Chemnitzstr. 26.

Sonntags von 10 bis 11 Uhr im Gemeindehaus neben der Christus-Kapelle. 

Termine: 

Jeden Sonntag für Kids ab 4 Jahren - parallel zu den Gottesdiensten in der Osterkirche.





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